Im Auge

Story

Wir lachen. Noch. Erst später fällt mir auf: So beginnen eigentlich alle Katastrophenfilme. Ich sitze in einem Boot, oder besser: In einem Böötchen. Vollbesetzt und vollbepacktt. Acht Touristen, jeder mit viel zu viel Gepäck – und ein kleiner aber selbstbewusster Mann am Steuer – mit Sonnebrille. ein Käptn halt. Der kennt sich aus, denke ich mir. Sein blaues Baby mit rotem Dach fährt er schließlich jeden Tag durchs Meer. Nach 10 Minuten ist hinter uns kein Land mehr zu sehen – und vor uns noch keins. Was ich aber sehe: Eine Gewitterfront. Ach, denke ich, das ist so weit weg. Bis das mal hier ist, sind wir längst da.

Keiner lacht mehr. Irgendwie scheint das hier plötzlich ernst zu sein. Ich bin froh, dass die beiden Französinnen eine Reihe vor mir meinen schweren schwarzen Rucksack festhalten, oder besser gesagt: Sie sich an meinem Rucksack. Die vorher so ruhige und fast spiegelglatte See ist jetzt aufgeregter als Teenies mit Prüfungsangst vor dem Abitur. Alle zwei Meter schießt Wasser aus dem Meer mitten rein ins Boot. Ich genieße es. Meerwasser ist warm. Angenehm. Regenwasser dagegen ist kalt. Regenwasser tut auch weh, wenn es so von der Seite reinpeitscht. Zack. Ein Blitz. Direkt links neben unserem Boot. Und zack. Noch einer, diesmal rechts. Und immer wieder dieser beängstigende Donner. Was, wenn ein Blitz ins Boot einschlägt?, frage ich mich selbst. Keine Ahnung. Keine beruhigende Antwort. Und sieht der Käpt’n noch wo er hinfährt? Alles ist grau. Zumindest hat er seine Sonnenbrille abgenommen.

Es wird heller. Noch ein paar Mal schlagen Blitze ein. Dann zieht der Donner weiter. Mit dem Ende des Gewitters kommt das Boot an. Alles ist nass. Meine Klamotten, meine Rucksäcke, ich. Aber egal. Überlebt. Aber vielleicht passiert sowas hier ja jeden Tag. Na dann viel Spaß auf der Rückfahrt. Ich lache wieder.

TAGS

21. August 2018

LEAVE A COMMENT